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Die unvollendete Autobiographie, Seite 194 ff. (engl.) |
Schulen gültig erachte, und weil ich nach meinem Dahinscheiden das Gefühl haben
möchte, dass sie auch bei allen künftigen Entscheidungen richtunggebend sein
werden. Im Grunde ist die in der Arkanschule gebotene Unterweisung die gleiche,
wie sie schon von altersher Jüngern erteilt worden ist; sie wird daher -
wenigstens in diesem Jahrhundert - keine grosse Anzahl von Mitgliedern haben.
Die Menschen, die zu geistiger Unterweisung in den für alle Jünger gültigen,
geistigen Gesetzen reif sind, sind in der Tat selten, aber man kann damit
rechnen, dass ihre Zahl stetig wächst. Die Arkanschule ist keine Schule für
Probejünger. Sie ist vielmehr als Schule für diejenigen gedacht, die dazu
ausgebildet werden können, sich direkt und bewusst unter Leitung der Meister der
Weisheit zu betätigen. Es gibt heute viele Schulen für Probejünger in der Welt
und sie leisten grossartige, prächtige und notwendige Arbeit.
Ich war lange Zeit hindurch äusserst verwundert darüber, warum die Mitglieder der T. G. und besonders der E. S. meinen Bestrebungen so feindlich gegenüberstanden. Ich wusste, dass das nicht auf unsere frühere Betätigung innerhalb der Gesellschaft zurückzuführen war, sondern dass ein anderer Grund vorlag, und darüber machte ich mir Gedanken. Es schien mir und scheint mir heute noch, dass die Welt für Hunderte von wahren, esoterischen Schulen genügend Platz hat, und dass sie alle es fertig bringen sollten, miteinander zusammenzuarbeiten, sich gegenseitig zu ergänzen und einander zu unterstützen. Das war mir lange Zeit ein Rätsel, bis ich anfangs der dreissiger Jahre in Paris mich einmal bei Herrn Marcault, dem damaligen Leiter der T. G. in Frankreich, danach erkundigte. Er sah mich ganz gross und verwundert an und sagte, natürlich hätte man etwas gegen mich, weil ich Leute in meine eigene Gruppe aufnahm, anstatt sie der E. S. zuzuführen. Ich blickte ihn ebenso erstaunt an und erklärte ihm, wir hätten in der Arkanschule vier verschiedene Sorten von Theosophen, vier verschiedene Abarten von Rosenkreuzern, und dass auch nicht einer von ihnen der T. G. beizutreten wünsche, der er und ich als Mitglieder angehörten. Ich erinnerte ihn daran, dass niemand in die E. S. aufgenommen werden kann, der nicht mindestens zwei Jahre lang Mitglied der T. G. gewesen ist, und fragte ihn, warum man Leute, die für eine esoterische Schulung reif sind, zwei Jahre lang in einer rein exoterischen Gruppe warten lasse. Darauf konnte er mir keine Antwort geben; ich erhöhte noch seine Verwirrung dadurch, dass ich (in einer, wie mir heute scheint, nicht gerade taktvollen Weise) darauf hinwies wie schade es doch eigentlich sei, dass die Arkanschule und die Esoterische Sektion nicht zu gemeinsamem Gedeihen zusammenarbeiten könnten. Ich erklärte ihm, die E. S. sei für Probejünger die beste Schule der Welt, da sie das Feuer der Aspiration schüre und bei ihren Mitgliedern Hingabe erwecke, während unsere Schule die Heranbildung «angenommener Jünger» bezwecke - das heisst also, dass wir Leute auf der letzten Entwicklungsstufe des Probepfades für die akzeptierte Jüngerschaft vorbereiteten, und dass wir Unpersönlichkeit und mentale Entfaltung betonten. Ich fügte hinzu dass wir absichtlich auf Ausmerzung hinarbeiteten und nur die Schüler beibehielten, bei denen wirkliche Anzeichen wahrer Denkkultur vorlägen. Ich sagte ihm, dass wir Hunderte von rein emotionalen Frömmlertypen fallen liessen, und dass ich viele davon in die E. S. hätte überführen können, wenn wir nur irgendwie zusammenarbeiten könnten. Er war weder beeindruckt noch erfreut, und ich nahm ihm das auch nicht übel. Ich hatte das durchaus nicht in einem beeinträchtigenden Sinn gemeint, denn meines Erachtens werden beide Gruppen in gleicher Weise gebraucht; beide können sie einem geistigen Zweck dienen, und ob jemand nun Probejünger oder Jünger ist, ändert doch nichts an der Tatsache, dass er immerhin ein geistig orientierter Mensch ist, der Schulung und Disziplin braucht. Diese Idee von Rang und Stellung ist der Fluch der T. G und vieler anderer okkulter Gruppen gewesen. Oft habe ich den Schulsekretären gesagt, dass die Tatsache ihrer höheren Rangstufe in der A. S. nicht notwendigerweise ein Anzeichen geistiger Entwicklung sei, und dass sie in ihrer Schülergruppe einen Anfänger haben könnten, der ihnen auf dem Pfad der Jüngerschaft weit voraus ist. Warum manche denken, dass ein emotionaler, stark gefühlsmässiger Mensch, dessen Wahrnehmung auf dem Empfinden beruht, weniger wichtig sein solle, als ein mentaler Typus, ist eine andere Frage, die mich stets beunruhigt hat. Niemand kann ohne sein Herz oder ohne seinen Kopf bestehen, und der wahre okkulte Schüler vereinigt beides. Die Leiter der T. S. gestatten es keinem Arkanschüler, der E. S. anzugehören, ohne seine Verbindung mit uns aufzugeben. Das ist durchaus irrig und gehört zur grossen Sünde der Absonderung. Wir verlangen kein solches Aufgeben einer anderweitigen Mitgliedschaft und sagen unseren Schülern, dass, wenn es der Schule gelingt, ihr geistiges Leben zu vertiefen, ihren Horizont zu erweitern und ihr mentales Wahrnehmungsvermögen zu steigern, es ihnen überlassen bleibt, all das in die Tat umzusetzen, und zwar innerhalb der Kirche, Gesellschaft, Organisation oder Gruppe, Familie oder Gemeinde, der sie schicksalsgemäss angehören. Deshalb haben wir aktive Schüler, die Mitglieder verschiedener theosophischer Organisationen sind, von denen sich jede für die einzig wahre hält. Wir haben Schüler, die vier verschiedenen Gruppen von Rosenkreuzern angehören. Wir haben katholische und protestantische Kirchenmitglieder, Christliche Wissenschaftler, Leute aus der «Unity»-Bewegung und Angehörige aller möglichen Körperschaften, die eine geistige oder religiöse Grundlage besitzen. Wir nehmen Leute an, die überhaupt keinen Glauben haben, aber willens sind, eine Hypothese anzunehmen und den Versuch zu machen, ihren Wert oder Unwert nachzuweisen. Die Arkanschule ist demnach keine Sekte, sie ist unpolitisch, wenn auch ihrem Denken nach ausgesprochen international. Dienst ist ihr Leitgedanke. Ihre Mitglieder können sich in jeder beliebigen Sekte oder politischen Partei betätigen, solange sie dessen eingedenk bleiben, dass alle Pfade zu Gott führen, und solange das Wohl der einen Menschheit ihr ganzes Denken beherrscht. Vor allem anderen handelt es sich um eine Schule, in der ein Schüler lernt, dass die Seelen der Menschen eins sind. Ich möchte noch hinzufügen, dass es eine Schule ist, in welche der Glaube an die Geistige Hierarchie unseres Planeten wissenschaftlich gelehrt wird, zwar nicht im Sinn einer Doktrin, sondern eines bestehenden und nachweisbaren Naturreichs. Die Kirchen haben mancherlei vom Reich Gottes und vom Reich der Seelen gelehrt. Das sind nur andere Ausdrücke für die Geistige Hierarchie des Planeten. Es ist eine Schule, in der wahrhaft okkulter Gehorsam entwickelt wird. Dieser okkulte Gehorsam bedingt nicht, dass man mir oder irgendeinem anderen Leiter der Schule oder überhaupt irgendeinem anderen Menschen gehorcht. Keine Treueide oder persönliche Verpflichtungen einem Einzelwesen gegenüber werden von den Mitgliedern der Arkanschule verlangt oder erzwungen; sie werden aber gelehrt, den Eingebungen der Seele bereitwillig Folge zu leisten. In dem Mass, in dem ihnen die Stimme ihrer Seele mehr und mehr vertraut wird, wird diese sie am Ende zu Mitgliedern des Reiches Gottes machen, und sie werden Christus von Angesicht zu Angesicht erschauen. Im Jahr 1923 begannen wir also mit einer Schule, die weder an einer Lehrmeinung starr festhielt, noch sektiererisch war und auf der Ewigen Weisheit beruht, die uns seit grauester Vorzeit überliefert wurde. Wir gründeten eine Schule, die einen ganz bestimmten Zweck und ein spezifisches Ziel vor Augen hatte - eine Schule, die ihrem Wesen nach inklusiv und nicht exklusiv war, und die ihren Schülern ein Leben des Dienens als den Pfad der Annäherung an die Hierarchie vor Augen hielt, anstelle eines Pfades selbstsüchtiger geistiger Eigenkultur. Wir beschlossen, das Pensum absichtlich hart und schwierig zu gestalten, um unintelligente Schüler von vornherein auszuschalten. Nichts ist leichter als eine okkulte Schule aufzumachen, die dem Interesse an der eigenen Person gewidmet ist, das geschieht fortwährend, aber wir beabsichtigten nichts dergleichen. Ganz allmählich lernten wir, wie sich die Arbeit organisieren liess, wie man Angestellte schult, eine Briefregistratur systematisch anordnet und - überhaupt einen Geschäftsbetrieb so sachgemäss aufzieht, dass er eine prompte Bedienung unserer Schüler gewährleistete. Wir haben die Schule stets durch freiwillige Beiträge finanziert und keinerlei Gebühren verlangt. Auf diese Weise sind wir den Schülern finanziell nicht verpflichtet und es steht mir frei, einen Schüler jederzeit fallen zu lassen, wenn er aus unserer Hilfe keinen Nutzen zieht. Es steht kein «gütiger Engel» hinter uns und überhaupt niemand, der uns mit grösseren Beiträgen unterstützt. Wir verlassen uns ganz auf die kleinen Beiträge der Vielen, was viel gesünder und verlässlicher ist. Ich denke, das ist alles, was ich über die Anfänge der Schule und ihren Betrieb zu sagen habe. Aus diesem Anfang entwickelte sich alles, was wir jetzt tun. Heute haben wir eine britische, eine holländische, eine italienische eine schweizerische und eine südamerikanische Abteilung, mit einer Sondergruppe in der Türkei und in Westafrika, und mit einzelnen Schülern in vielen anderen Ländern. Die Schulhefte gehen in vielen Sprachen in die Welt hinaus und den Schülern in den einzelnen Ländern stehen Sekretäre zur Verfügung, die ihre Sprache sprechen. Die Dienstfunktionen der Schule sind sogar noch weiter gefächert, doch möchte ich mich mit diesen hier nicht befassen. Die nächsten sechs Jahre (von 1924 bis 1930) verliefen ziemlich eintönig. Wenn ich heute darauf zurückblicke, kommt mir ein Zyklus tief zum Bewusstsein, in dem ich Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat immer dasselbe tat, wobei ich mich gleichzeitig um die Weiterentwicklung der Arkanschule bemühte. Andauernd verfasste ich Schullektionen und schrieb Artikel. Ewig musste ich auf Verabredung Leute empfangen, und im Jahr 1928 war ich so weit gekommen, dass ich oftmals den ganzen Tag hindurch alle zwanzig Minuten einen andern Besucher hatte. Ich habe mir nie eingebildet, dass das deshalb so war, weil man mich für eine so grossartige Person hielt; der Grund war hauptsächlich der, dass ich keine Gebühren verlangte. Das waren die Jahre, in denen Psychologen aller Schattierungen im Land umherzogen und Vorlesungen hielten. Psychoanalyse-Spezialisten aller Art liessen sich überall für schweres Geld konsultieren. Ich habe niemals irgendwelche Gebühren verlangt, und meine Tage waren erfüllt mit Besuchen von Leuten, die irgendein Problem hatten und von mir dessen Lösung erhofften. Es gab damals eine Frau in New York, die für eine halbstündige Konsultation 500 Dollar verlangte, und sie hatte eine lange Warteliste. Ich bin sicher, dass sie niemals so nützliche Ratschläge erteilte, wie ich es umsonst tat. Eines der Geheimnisse der menschlichen Natur tauchte damals besonders deutlich in meinem Bewusstsein auf. Ich entdeckte, dass die Menschen durchaus gewillt sind, über die intimsten Einzelheiten ihres täglichen Lebens zu sprechen und mir sogar ihre geschlechtlichen Beziehungen zu ihren Ehegatten enthüllten, obwohl ich ihnen doch vollkommen fremd war. Die Art, wie ich darauf reagierte, gründete sich wohl auf meine britische Erziehung, denn hier in Amerika spricht man seit jeher viel freier zu Fremden, als das bei der anderen Hälfte der angelsächsischen Rasse üblich ist. Offen gestanden habe ich das nie leiden können. Es gibt eine gewisse Zurückhaltung, die nützlich und angezeigt ist, und ich habe schon immer gewusst, dass Leute, die sich zu frei ausgesprochen und in intimer Unterhaltung blossgestellt haben, einen am Ende bloss hassen - mit einer Art von Hass, der durchaus unangebracht ist und den die Person, der sie sich anvertrauten, in keiner Weise verdient hat. Ich habe an den sexuellen Beziehungen der Leute niemals ein Interesse gehabt, aber ich weiss, dass sie für die Harmonie des einzelnen ein wesentlicher Faktor sind. Die ganze Sexualfrage befindet sich heute im Stadium des Umbruchs. Ich selbst bin eine konservative Engländerin, die den blossen Gedanken an eine Ehescheidung verabscheut und über sexuelle Probleme überhaupt nicht gern diskutiert, aber ich weiss, dass die moderne Generation darin nicht ganz unrecht hat. Ich weiss auch, dass die viktorianische Einstellung innerlich faul und verderblich war. Der geheimnisvolle Schleier, mit dem man damals das ganze Problem umhüllte, war für eine unwissende Gruppe junger Leute etwas Gefährliches im Sinn von natürlichem, schöpferischem Leben. Das Geflüster, die Geheimnisse und Mitteilungen hinter verschlossenen Türen erregten die Neugierde der Jugend und verleiteten sie zu obszönem Denken; und das ist etwas, was man den Vätern und Müttern jener Zeit nur schwer verzeihen kann. Heute leiden wir unter den Nachwirkungen dieser Einstellung. Fast möchte man denken, die jungen Leute wissen heute zu viel, aber meiner Ansicht nach befinden sie sich damit in einer weit gesicherteren Lage, als jener, in der ich aufwuchs. Wie das Sexualproblem einmal gelöst werden wird, weiss ich nicht. Ich weiss, dass nach britischem Gesetz (und wahrscheinlich auch nach dem Gesetz anderer Kolonialmächte) ein Mohammedaner im Ausland mehrere Frauen haben darf. Die Männer westlicher Nationen, wie z.B. die Briten oder die Amerikaner, haben aber seit jeher die gleichen polygamen Kontakte gehabt. Aus all dieser Zwanglosigkeit sexueller Erziehungen und aus all diesem Suchen nach einer Antwort wird sich wohl am Ende irgendeine richtige Lösung ergeben. Die Franzosen haben keine Lösung dafür gefunden, denn ihre Nation ist ein lebendiger Beweis dafür, dass |
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Last updated Saturday, February 14, 1998 © 1998 Netnews Association. All rights reserved. |