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Die unvollendete Autobiographie, Seite 188 ff. (engl.)

Foster organisierte damals den Ausschuss der 1400, der es sich zur Aufgabe machte, die Theosophische Gesellschaft wieder zu ihren ursprünglichen Prinzipien zurückzubringen. Dieser Ausschuss war gewissermassen ein Miniaturbild der grossen Weltspaltung, die seit 1939 ihren Höhepunkt im Weltkrieg fand. Es handelte sich in der Hauptsache um einen Kampf zwischen den reaktionären, konservativen Kräften in der Gesellschaft und den neuen, liberalen Kräften, die auf die Wiederherstellung der ursprünglichen Prinzipien der Theosophischen Gesellschaft hinarbeiteten. Es war ein Kampf zwischen einer exklusiven, auf Absonderung ausgehenden und sich überlegen dünkenden Gruppe von Leuten, die sich für weiser und geistiger als die übrigen Mitglieder hielten, und denjenigen, die ihre Mitmenschen liebten und an Fortschritt und an die Universalität der Wahrheit glaubten. Es war ein Kampf zwischen einer exklusiven Partei und einer inklusiven Gruppe. Es war kein Kampf um bestimmte Doktrinen, sondern um Prinzipien, und Foster verwandte viel Zeit darauf, um diesen Kampf zu organisieren.

B. P. Wadia kam aus Indien zurück, und das verleitete uns im Anfang zu der Hoffnung, er würde unseren Bestrebungen grösseren Rückhalt verleihen. Wir mussten aber feststellen, dass er, wenn möglich, den Vorsitz über die T. G. in Amerika übernehmen wollte und dabei auf die Unterstützung von Foster und seines Ausschusses der 1400 rechnete. Foster hatte die Organisation aber nicht dafür geschaffen, um jemanden an die Macht zu bringen, der den Ausschuss vertreten würde. Der Ausschuss war vielmehr zu dem Zweck gegründet worden, um den Mitgliedern der T. G. die vorliegenden Fragen und die dabei gefährdeten Prinzipien klarzumachen. Als Wadia herausfand, dass das der Fall war, drohte er, seine Interessen und das Gewicht seines Einflusses zugunsten der Vereinigten Theosophenloge, einer gegnerischen und sehr sektiererisch eingestellten Gruppe, geltend zu machen. Sie vertreten die strenggläubige Richtung innerhalb der T. G., im Verein mit einer oder zwei weiteren theosophischen Gruppen, die sich auf den orthodoxtheologischen Standpunkt stellen und der Ansicht sind, dass H. P. B. das letzte Wort gesprochen habe, und dass niemand ein guter Theosoph sein könne, wenn er nicht das, was H. P. B. gesagt hat, in dem von ihnen gedeuteten Sinn annimmt. Das erklärt vielleicht die Tatsache, dass all diese strenggläubigen Gruppen sehr klein geblieben sind.

Der Ausschuss der 1400 setzte seine Tätigkeit fort. Die nächsten Wahlen fanden statt, die Mitglieder trafen ihre Entscheidungen (oder vielmehr die E. S. diktierte ihnen ihre Entscheidungen) und damit endete die Tätigkeit des Ausschusses. Wie er es uns vorausgesagt hatte, stellte sich Wadia auf die Seite der Vereinigten Theosophenloge und kehrte nach einiger Zeit nach Indien zurück, wo er eine der besten Zeitschriften ins Leben rief, die es heute auf okkultem Gebiet gibt. Sie heisst «The Aryan Path» (der Arische Pfad) und ist ausgezeichnet. Das Wort arisch hat nichts mit dem Sinn zu tun, in dem Hitler es verwendet. Es bezieht sich vielmehr auf die arische Methode geistiger Bewertung und auf die Art, wie Angehörige der Fünften Stammrasse sich der Wirklichkeit annähern.

Ich hatte während dieser Zeit eine Unterrichtsklasse über die Geheimlehre begonnen und in der Madison Avenue ein Zimmer gemietet, wo wir Versammlungen abhalten und Interviews arrangieren konnten. Dieser Kurs über die Geheimlehre begann im Jahr 1921 und fand ausserordentlich viele Zuhörer. Leute von den verschiedenen theosophischen Vereinigungen und okkulten Gruppen stellten sich dazu regelmässig ein. Mr. Richard Prater, ein alter Mitarbeiter von W. Q. Judge und Schüler von H. P. Blavatsky, kam eines Tages zu mir in den Unterricht, und in der darauffolgenden Woche führte er mir alle Teilnehmer seiner eigenen, bisherigen Geheimlehreklasse zu.

Das erwähne ich zugunsten der Vereinigten Theosophenloge und all derer, die behaupten, dass die wahre, theosophische Nachfolge von H. P. B. über W. Q. Judge führe. Alles, was ich von der Theosophie wusste, war mir von persönlichen Freunden und Schülern von H. P. B. beigebracht worden, und das erkannte Mr. Prater. Später übergab er mir die ihm von H. P. B. erteilten Unterweisungen der Esoterischen Sektion. Sie sind genau die gleichen, wie die, welche ich während meiner Mitgliedschaft in der E. S. selbst zu Gesicht bekommen hatte; aber er übergab sie mir ohne jeden Vorbehalt, und ich konnte sie jederzeit benutzen und habe das auch getan. Als er vor vielen Jahren starb, gelangte seine theosophische Bibliothek in unseren Besitz, einschliesslich aller alten «Lucifers» und aller alten Ausgaben des theosophischen Magazins sowie anderer esoterischer Schriften, die er von H. P. B. erhalten hatte.

Unter den Schriftstücken, die er mir gab, befand sich eines, in dem H. P. B. den Wunsch aussprach, die Esoterische Sektion sollte die Arkanschule genannt werden. Dazu war es nie gekommen und ich beschloss daher, den Wunsch der alten Dame zu erfüllen; und auf diese Weise erhielt die Schule ihren Namen. Meine Bekanntschaft mit Mr. Prater betrachtete ich als einen grossen Vorzug und ich war sehr glücklich darüber.

Eine andere alte Schülerin von Madame Blavatsky und Oberst Olcott, Miss Sarah Jacobs, gab mir die photographischen Platten der Meisterbilder, die Oberst Olcott ihr gegeben hatte; und das beweist mir, über jede rein persönliche Genugtuung hinaus, dass die persönlichen Schüler und Freunde von H. P. Blavatsky dem zustimmten, was ich zu tun vorhatte. Sie gaben mir auch weiterhin ihre Anerkennung und Hilfe, bis sie ins Jenseits hinübergingen. Als ich sie kennenlernte, waren sie alle natürlich schon alte Leute. Die Einstellung der jetzigen theosophischen Mitglieder und ihrer Leiter hat mich von jeher einigermassen belustigt. Sie haben dem, was ich lehrte, nie zugestimmt, obwohl es doch direkt von persönlichen Schülern der H. P. B. stammte und daher eher stimmen dürfte, als das, was von Leuten herrührt, die sie nie gekannt haben. Das erwähne ich, weil ich im Interesse des Werkes dessen Ursprung anerkannt wissen möchte.

Aus der Geheimlehreklasse entwickelten sich Schülergruppen im ganzen Land, die im Umriss den Lehrstoff erhielten, den ich in der Madison Avenue meinen Zuhörern vortrug. Diese Schülergruppen wuchsen und gediehen derart, dass sie unverkennbar die theosophische Gegnerschaft hervorriefen, und Dr. Jacob Bonggren warnte mich vor den zu erwartenden Angriffen. Er war ein alter Schüler von H. P. B., dessen Schriften in den älteren Ausgaben der Magazine zu finden sind, und ich bin sehr stolz darauf, dass er mir in jener Anfangszeit zur Seite stand.

Im Jahr 1921 bildeten wir eine kleine Meditationsgruppe, der ausser Foster und mir, fünf Männer angehörten. Wir trafen uns gewöhnlich jeden Dienstagnachmittag nach Geschäftsschluss, um über die Dinge zu sprechen, auf die es ankam, um uns über den Plan der Meister der Weisheit zu unterhalten und über unseren Anteil daran ein Weilchen zu meditieren. Diese Gruppe kam regelmässig vom Sommer 1922 bis zum Sommer 1923 zusammen. Während dieser Zeit schrieb ich weiter für den Tibeter, und «Initiation - Menschliche und Solare Einweihung», «Briefe über okkulte Meditation» und mein eigenes Buch «Das Bewusstsein des Atoms» waren im Druck erschienen.

Man neigt leicht zu der Annahme, dass jemand, der über so einen technischen Gegenstand wie Meditation, ein Buch schreibt, auch wirklich alles darüber wissen muss. Aus der ganzen Welt erhielt ich nun Briefe von Leuten, die mich baten, sie Meditation zu lehren oder sie mit den Meistern der Weisheit in Verbindung zu bringen. Ich gehöre aber nicht zu den okkulten Lehrern, die sich einbilden, genau zu wissen, was der Meister will, oder das Recht zu haben die Dummen und die Neugierigen bei den Meistern einzuführen. Die Meister lassen sich nicht auf diese Weise erreichen. Sie sind keine Zielscheibe für Raritätensucher, Leichtgläubige oder Einfältige. Nur der selbstlose Diener der Menschenrasse und der intelligente Dolmetscher der Wahrheit kann sie finden, aber sonst niemand.

Ich habe die Lehre so veröffentlicht, wie sie mir vom Tibeter aus zuging, aber die Verantwortung trägt er. Als Meister der Weisheit weiss er, was ich nicht weiss, und er hat Zugang zu Aufzeichnungen und Wahrheiten, die mir versiegelt sind. Die Annahme, dass ich alles weiss, was in seinen Büchern verkündet wird, ist demnach irrig. Als geschulte Jüngerin weiss ich wohl mehr als der Durchschnittsleser, aber ich besitze kein Wissen, das dem des Tibeters gleichkommt. Er besitzt umfassende Kenntnisse, und ich muss manchmal lächeln, wenn irgendein theosophischer Gegner (ich könnte Namen nennen, will es aber nicht) mich als die «merkwürdige Dame» bezeichnet, «die am Schlüsselloch von Shamballa lauscht». Es wird noch lange dauern, bis ich das Recht erworben habe, «in die Stätte einzugehen, wo man Gottes Willen kennt»; und wenn es einmal dazu kommt, dann werde ich kein Schlüsselloch brauchen.

Im Sommer 1922 ging ich mit meiner Familie drei Monate lang nach Amagansett auf der Insel Long Island, und damals unternahm ich es, der Studiengruppe einmal wöchentlich einen Brief zu schreiben, damit sie während meiner Abwesenheit weiterstudieren und lesen konnten. In manchen Fällen schien sich dieser Brief auch für jene zu eignen, die über Meditation, den Weg zu Gott und den geistigen Plan für die Menschheit anfragten; daher sandten wir ihnen fortlaufend Durchschläge dieser Briefe. Als wir im September 1922 in die Stadt New York zurückkehrten, erhob sich dringend die Frage, wie wir wohl am besten die Korrespondenz behandeln sollten, die sich infolge der wachsenden Bücherverkäufe anhäufte, und wie wir der Nachfrage nach Geheimlehreunterricht und nach geistiger Unterweisung gerecht werden könnten, die uns von allen Seiten entgegentrat. Deshalb organisierten wir im April 1923 die Arkanschule.

Die vier oder fünf Männer, die mit meinem Mann und mir zu der Dienstag-Nachmittag-Klasse gehört hatten, sammelten sich um uns. Zwei von ihnen arbeiten noch heute, nach vierundzwanzig Jahren mit uns, und zwei von ihnen sind im Jenseits. Wir hatten nicht die geringste Ahnung, wie wir eine derartige Arbeit anpacken sollten. Mit einer einzigen Ausnahme hatte keiner von uns jemals einer Korrespondenzschule angehört oder wusste, wie man andere auf brieflichem Weg unterrichten könnte. Alles, was wir besassen, war eine gute Absicht, der brennende Wunsch, irgendwie zu helfen, und drei Bücher über okkulte Themen. Seit jener Zeit sind über 30'000 Menschen durch die Schule gegangen. Hunderte, die der Schule vor zehn, zwölf oder achtzehn Jahren beitraten, sind immer noch bei uns, und das Werk der Arkanschule ist fast in jedem Land der Welt bekannt und anerkannt, ausser in Russland und ungefähr vier anderen Ländern.

Hätten wir damals im geringsten geahnt, welche umfassende Arbeit uns bevorstand und wie restlos sie uns in Anspruch nehmen würde, dann erscheint es mir sehr fraglich, ob wir wohl den Mut gehabt hätten, überhaupt anzufangen. Wenn ich mir über die damit verbundenen Kopfschmerzen und Bedrängnisse und die Verantwortungen klar gewesen wäre, die ein esoterischer Lehrer auf sich nehmen muss, dann hätte ich das Werk bestimmt nicht unternommen; aber Esel gehen halt gern aufs Glatteis, und so ging's mir auch.

Ohne die Unterstützung und weise Beratung meines Mannes hätte ich nichts von alledem leisten können. Mir schaudert, wenn ich an die Fehler, die ich ohne ihn gemacht, die falschen Entscheidungen, die ich ohne ihn getroffen hätte und an die Rechtsfragen denke, in die ich verstrickt worden wäre. Sein klares, juristisches Denken, seine Unpersönlichkeit und seine unerschütterliche Ruhe, wenn er sich meines Erachtens nach hätte aufregen sollen, haben mich immer wieder vor mir selbst errettet.

Eine esoterische Schule zu leiten, ist keine Kleinigkeit. Es ist durchaus nicht leicht, die Verantwortung zu übernehmen, anderen Leuten wahre Meditation beizubringen. Es ist schwer, nicht vom engen, messerscharfen Pfad abzuweichen, der zwischen höherem Psychismus oder geistiger Wahrnehmung und jenem niederen Psychismus hindurchführt, den manche Leute mit Katzen und Hunden gemeinsam haben. Es ist nicht leicht, zwischen einer psychischen Ahnung und intuitiver Wahrnehmung zu unterscheiden und ausserdem das geistige Leben anderer Leute zu erfassen und ihren Bedürfnissen gerecht zu werden, wenn sie sich einem zur Schulung anvertrauen. Nichts davon wäre mir in dem erlebten Ausmasse ohne die wundervolle Unterstützung möglich gewesen, die mir von meinen Mitarbeitern im Büro und von den Schüler-Sekretären draussen im Land zuteil wurde. Wir fingen mit einem Büroraum an. Heute (1947) haben wir zwei ganze Stockwerke in einem Geschäftshaus der zweiundvierzigsten Strasse in New York und einen grossen Stab von Angestellten, ausserdem Niederlassungen in England, Holland, Italien und der Schweiz. Abgesehen von den Angestellten im Hauptbüro haben wir eine Gruppe von 140 Sekretären, d.h. älteren Schülern, die uns bei der Unterweisung anderer Schüler helfen. Diese Sekretäre sind über die ganze Welt verstreut, und ihrer selbstlosen und freiwilligen Mithilfe, die sie uns unbeirrt im Lauf der Jahre zuteil werden liessen, ist es zu danken, dass wir in der Lage waren, unser Werk fortzuführen.

Von Anfang an gab es gewisse Grundprinzipien, die laut unserem Beschluss alle Tätigkeiten dieser Gruppe bestimmen sollten. Es liegt mir sehr daran, diese Prinzipien klarzumachen, weil ich sie für grundlegend und für alle esoterischen

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Last updated Saturday, February 14, 1998           © 1998 Netnews Association. All rights reserved.