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Esoterische Psychologie Band 2 (Sieben Strahlen II), Seite 354 ff. (engl.)
enthüllt.

Zweiter Strahl

«Wieder verharre [355] ich; ein Punkt inmitten eines Kreises, und doch ich selbst.»

Die Liebe zu lieben muss vorwalten, nicht die Liebe, geliebt zu werden. Die Kraft, zu sich heranzuziehen, muss vorherrschen, aber eines Tages muss diese Kraft aufhören, in die Welten der Formen einzudringen. Das ist der erste Schritt in der Richtung tieferen Forschens.

Das Wort geht aus von der Seele zur Form: «Befreie dich von allem, was sich um dich herum befindet, denn es hat keinen Wert für dich. Deshalb blicke auf mich. Ich bin der Eine, der baut, erhält und dich heran- und hinaufzieht. Blicke auf mich mit Augen der Liebe und suche den Pfad, der vom äusseren Kreis zum Mittelpunkt führt.

Ich, im Mittelpunkt, stütze und erhalte. Ich, im Mittelpunkt, ziehe an. Ich, im Mittelpunkt, leite und wähle und herrsche. Ich, im Mittelpunkt, liebe alle. Ich ziehe sie zu dem Zentrum hin und gehe mit den wandernden Punkten dem grossen Zentrum zu, wo der Eine Punkt verharrt. Was sagt dir dieses Wort?»

Mit Bezug auf den zweiten Strahl sollte man sich ins Gedächtnis zurückrufen, dass alle Strahlen nur Unterstrahlen des zweiten Strahls der Liebe-Weisheit sind. Der Eine im Zentrum, welcher der «Punkt inmitten des Kreises» der Manifestation ist, hat drei Haupteigenschaften: Leben oder Aktivität in der Form, Liebe, und die Fähigkeit der Abstraktion (der Wegräumung des Konkreten). Diese beiden letzten Eigenschaften der Gottheit sind es, mit denen wir uns in diesen Formeln beschäftigen. Im Zusammenhang mit dem zweiten Strahl kommen die Dualitäten der Anziehung und des Wegstossens zum Vorschein, die beide latent, aber beide zu vollkommener Aktivität in ihrem eigenen Tätigkeitsbereich fähig sind.

Im Leben jedes Aspiranten kommt einmal die Zeit, da er verwundert darüber nachsinnt, was wohl diese bekannte Reaktion, in alltäglichen Dingen keine Befriedigung mehr zu empfinden, besagen will. Das alte Leben mit seinen Wünschen für gewohnte Existenz- und Betätigungsformen erweckt nicht mehr sein Interesse. Der Zug oder die Anziehungskraft des Einen im Zentrum (Der sein wahres Selbst ist) versagt gleichfalls. Es ist noch kein vertrauter «Appell». Der Aspirant bleibt unbefriedigt, und sein Gefühl der Unzulänglichkeit und Leere vertieft sich. Er «schwebt an der Peripherie» des [356] «göttlichen Wirkungsbereiches», den er sich selbst geschaffen hat.

Wenn er an diesem Punkt angelangt ist und sich in dieser Situation befindet, dann muss er diese Formel überdenken und sie anwenden.

Eine Frage könnte hier eingeworfen werden: Wie soll man nun vorgehen und wie benützt man die Formel richtig? Es ist nicht möglich, hier darauf eine ausführliche Antwort zu geben; man kann höchstens darauf hinweisen, dass alle Meditationen, die mit dem Raja-Yoga System zusammenhängen, darauf abzielen, den Aspiranten zu einer solch intensiven inneren Konzentration und wachsamen mentalen Loslösung zu bringen, dass er in der Lage ist, diese Formeln verständnisvoll, entsprechend seinem Strahltyp anzuwenden und davon wirksamen Gebrauch zu machen. Seine Meditation hat ihm die erforderliche Gleichschaltung gebracht. Es besteht hier also (symbolisch gesprochen) ein direkter Weg, eine direkte Linie zwischen dem denkenden, meditierenden, nachsinnenden Menschen - an der Peripherie des seelischen Einflussbereiches - und der Seele selbst, dem Einen, der sich im Zentrum befindet. Wenn einmal diese Verbindungslinie, diese Antahkarana-Brücke, hergestellt und als solche erkannt ist, kommt es zur Evokationskrise. Darauf folgt eine Krise intensiver Aktivität, während der sich der Mensch - im okkulten Sinn - «vom fernsten Rand des äusseren Lebenssaumes loslöst und zielbewusst zum Zentralpunkt hintreibt.» So spricht der Alte Kommentar, den wir so häufig in diesem Buch zitieren.

Man kann nicht mehr tun, als diese Ideen in symbolische Form zu kleiden. Die Mysterien der Seele müssen von denen erfasst werden, deren Seeleneinfluss schon bis zu dieser Peripherie reicht und dort als das erkannt wird, was er ist. Diese Krise dauert gewöhnlich eine lange Zeit an, viel länger als bei einem Aspiranten, dessen Aktivität auf dem ersten Strahl liegt. Hat jedoch der Aspirant des zweiten Strahls verstanden und die günstige Gelegenheit genützt, und vermag er die Verbindungslinie zwischen sich und den Zentren zu erkennen, dann «bricht das Licht herein».

Diese Krisenperiode stellt für den fortgeschrittenen Aspiranten von heute das Hauptproblem dar und erweckt begreiflicherweise [357] das Interesse der Psychiater und Psychologen. Anstatt den Symptom-Komplex als ein Zeichen des Fortschritts und als Anzeichen für einen relativ hohen Entwicklungsgrad anzusehen, der ein Grund zur Ermutigung ist, diagnostiziert man solche Fälle als Geisteskrankheit und Persönlichkeitszerfall. Anstatt zu sagen, dass diese psychische Verfassung eine Erklärung verlangt und unser Verständnis verdient, aber keinen wirklichen Grund zur Beunruhigung abgibt, versucht man therapeutisch der Schwierigkeit durch Eliminierung Herr zu werden, nicht aber durch Erklärung. Die Gemütsverfassung des Patienten mag zeitweise erleichtert werden, aber die Erziehungsarbeit der Seele wird für dieses betreffende Leben aufgehalten, und Verzögerung in der Entwicklung ist die Folge. Mit diesem Problem wollen wir uns später beschäftigen.

Das Stadium, das nun folgt, ist das Stadium der Enthüllung. Licht hat enthüllende Kraft. Dieses Licht auf dem Weg ruft geistiges Schauen hervor; es zeigt sich:

1. Zu allererst als geistiges Erschauen der bestehenden Mängel. Das Licht zeigt dem Menschen sein eigenes Bild, oder wie die Seele seine Persönlichkeit sieht.

2. Als Erschauen des nächstfolgenden Schrittes. Wenn dieser Schritt getan ist, lässt er das weitere Vorgehen erkennen.

3. Als Erschauen all derer, die denselben Weg wandern.

4. Als ein flüchtiges Erblicken des «Schutzengels», der ein schwaches Abbild des Engels der Gegenwart, des Sonnen-Engels ist, der mit jedem Menschen von der Wiege bis zum Grabe wandert und so viel von dem verfügbaren Licht spendet, als der Mensch - jeweils auf dem Entwicklungspfad - gebrauchen und bezeigen kann.

5. Als ein ganz flüchtiges Erblicken (in hohen, seltenen Augenblicken) des Engels der Gegenwart selbst.

6. Als ein kurzes Erblicken (nur zu bestimmten Zeiten und wenn es notwendig erscheint) des Meisters, dessen Gruppe zum selben Strahl gehört wie der betreffende Mensch. Gewöhnlich sind hier zwei Kategorien von Erfahrungen und Ursachen zu nennen:

a) In den Frühstadien, wenn noch Illusion und Verblendung einwirken, ist das, was durch den «Kontakt» erhascht wird, ein astrales Phantasiegebilde, das auf den Gefilden der [358] Täuschung und Phantome erschaut wird. Es handelt sich daher nicht um ein Bild des Meisters selbst, sondern um sein astrales Symbol, oder um eine Figur, die seine ihm ergebenen Jünger und Anhänger gedanklich aufgebaut haben.

b) Eine Begegnung mit dem Meister selbst. Das hat zur Voraussetzung, dass der Jünger die nötige Integration der dreifachen niederen Natur zustande gebracht hat.

Wenn «Integration als Resultat von Enthüllung» erreicht ist, kommt es zur Verschmelzung des Persönlichkeitsstrahls mit dem Seelenstrahl. Darüber wollen wir später mehr sagen. Aber eine andere Tatsache soll hier erwähnt werden, die bisher weder betont noch erläutert wurde, nämlich, dass der Persönlichkeitsstrahl stets ein Unterstrahl des Seelenstrahls ist. Das gilt in demselben Sinne wie die Tatsache, dass die sieben Hauptstrahlen unseres Sonnensystems die sieben Unterstrahlen des kosmischen Strahls der Liebe-Weisheit sind, oder dass die sieben Ebenen unseres Systems die sieben Unterebenen der kosmisch-physischen Ebenen darstellen. Nehmen wir beispielsweise an, dass der Seelenstrahl eines Menschen der dritte Strahl der aktiven Intelligenz oder des Anpassungsvermögens sei, und dass sein Persönlichkeitsstrahl zum zweiten Strahl der Liebe-Weisheit gehöre. Dieser Persönlichkeitsstrahl ist dann der zweite Unterstrahl des dritten Strahls der aktiven Intelligenz. Ausserdem könnten wir annehmen, dass die folgenden Strahlen die drei Persönlichkeitsträger beherrschen; wir hätten dann folgende Übersicht:

Egoischer Strahl - dritter Strahl aktiver Intelligenz

2 #3 #4 #5 #6 #7

Persönlichkeit Mentaler Körper Astraler Körper

Physischer Körper

Das ist ein wertvoller Hinweis, den alle ernsthaften Leser im Sinn [359] behalten und erfassen sollten. Man denke über diesen Punkt gründlich nach, denn er bedarf keiner weiteren Erläuterung; ein Verstehen dessen wird die Lösung folgender Probleme ermöglichen:

1. Gleichschaltung.

2. Die Linien des geringsten Widerstandes.

3. Die Vorgänge der Substitution (Ersetzung durch andere Kräfte).

4. Die Alchemie der Energie-Umwandlung.

5. Die Arbeitsbereiche

a) des Dienstes,

b) der Nebenbeschäftigung,

c) des Berufs und der Berufung.

Man kann aus der gegebenen Übersicht auch ersehen, dass ein Mangel an Gleichgewicht besteht; der Mensch kann dann zu einem Verstehen dessen kommen, was er zu tun hat. Studiert man die Formeln des ersten und zweiten Strahls, so wird es klar, warum in der Menschheit (und auch im Sonnensystem) diese beiden Hauptstrahlen so eng miteinander verbündet sind, und warum alle esoterischen Schulen in der ganzen Welt vorwiegend Ausdrucksformen dieser Strahlen sind. Auf einer bestimmten Entwicklungsstufe verschieben alle Strahlen, die den Mentalkörper steuern, ihren Brennpunkt zu dem ersten und zweiten Strahl hin; das erfolgt auf dem Wege über den dritten Strahl. Dieser Strahl hat nämlich gegenüber den anderen Strahlen die gleiche Stellung inne wie das Sonnengeflecht gegenüber den anderen sechs Zentren, denn er stellt eine grosse Sammel- und Transferstelle dar. Der erste Strahl stösst und dringt durch, und er bahnt sich den Weg, durch den Licht einströmt. Der zweite Strahl ist der «Licht-Träger» und er ergänzt die Funktion des ersten Strahls. Wenn wir die Tätigkeiten und die gemeinsamen Bemühungen des Meisters M. und des Meisters K. H. als Beispiel nehmen, so mag das Gesagte klarer werden. Ihre Arbeit ist für einander so unentbehrlich wie Leben und Bewusstsein, die unbedingt zusammengehören; ohne diese Wechselwirkung würde die Form wertlos sein.

Dritter Strahl

«Ich spinne [360] die Fäden des Lebens. Ich stehe da, verstrickt in meiner selbstgeschaffenen Verblendung. Ich bin umgeben von dem Gespinst, das ich gewoben habe. Ich sehe nichts anderes.

Die Liebe zur Wahrheit muss vorherrschen, nicht Vorliebe für meine eigenen Gedanken oder Verliebtsein in meine Ideen oder Formen; die Liebe zum ordnungsgemässen Verlauf muss herrschen, nicht die Vorliebe für meine eigene wilde Aktivität.»

Das Wort geht aus von der Seele zur Form: «Sei stille. Lerne dich schweigend zu verhalten, ruhig und furchtlos. Ich, im Zentrum, Bin. Blicke empor in der rechten Art und Weise, nicht aber den vielen Wegen und Zielen folgend, die du im Raum von Äonen ersonnen hast. Diese halten dich fest. Sei stille. Stürme nicht von einem Punkt zum andern; lass dich nicht irreführen durch äussere Formen und das, was vergänglich ist. Hinter den Formen steht der Weber und webt schweigend.»

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Last updated Saturday, February 14, 1998           © 1998 Netnews Association. All rights reserved.