Netnews Homepage     Zurück     Vorwärts      Index      Inhaltsverzeichnis
Die Wiederkunft Christi, Seite 109 ff. (engl.)
muss erst in der Welt ein gewisses Mass von Ordnung geschaffen werden, und es müssen gewisse Grundsätze formuliert und - wenigstens teilweise - angenommen sein, bevor er sich unter Menschen nutzbringend betätigen kann. Wenn er in diesen Tagen käme, würde seine Stimme nicht gehört werden, denn noch ist der Lärm all dieser zankenden und streitenden Menschen zu gross. Wenn er versuchen würde, die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich zu lenken, selbst mit Trompetenschall, wie es prophezeit ist (Matth. 24, 31), was würde geschehen? Man würde ihn einfach in die Kategorie jener einstufen, die für sich selbst Reklame machen. Wenn er jetzt predigen und lehren würde, so würde er in erster Linie diejenigen zu sich ziehen, die mit seiner Botschaft übereinstimmen; oder er würde leichtgläubige glaubensselige Herdenmenschen in Scharen um sich sammeln, wie es immer der Fall ist, wenn ein neuer Lehrer erscheint, ganz gleich, was er lehren mag. Die grosse Masse der Menschen ist noch zu hungrig, seelisch zu arg mitgenommen, zu sehr verwirrt und bedrängt und noch allzu ungewiss über ihre Zukunft, Freiheit und Sicherheit, als dass sie heute seiner Stimme lauschen könnte.

Er wird nicht kommen, - dessen können wir gewiss sein - als sieghafter Held, wie es die Theologen in ihren Auslegungen glauben machen, denn so wäre es unmöglich, ihn als den zu erkennen, der er ist; man würde ihn einfach als eine weitere militärische Figur klassifizieren, deren wir mehr als genug hatten. Er wird auch nicht als der Messias der Juden kommen, um das sogenannte heilige Land und die Stadt Jerusalem für die Juden zu bewahren; er gehört der ganzen Welt, und weder Juden noch irgendwelche andere Völker haben da ein Vorrecht oder können einen besonderen Anspruch auf ihn erheben. Er wird auch nicht kommen, um die «Heiden» zu bekehren, denn nach seiner und seiner Jünger Ansicht gibt es keine heidnische Welt; die sogenannten Heiden weisen in ihrer Geschichte weniger bösartige Konflikte auf als die kampflustige christliche Welt. Die Geschichte der christlichen Nationen und der christlichen Kirchen ist voller Angriffslust und Kriegsgeist, - wahrlich das Letzte, was Christus als wünschenswert erachtet hätte, als er seine Kirche auf Erden zu errichten suchte.

Als er damals kam, sagte er (und seine Worte sind arg missdeutet worden): «Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern ein Schwert (Matth. 10, 34). Das wird ganz besonders in den ersten Tagen seines Kommens zutreffen. Das Schwert, das er schwingt, ist das Schwert des Geistes; es ist das Schwert, das wahre Geistigkeit und den gewohnten Materialismus spaltet und voneinander scheidet. Der hauptsächliche Sinn und Zweck seiner Wiederkunft wird ganz gewiss der sein, überall die Auswirkungen eines «Geistes der Einbeziehung» aufzuzeigen, einer allumfassenden inneren Verbundenheit, die durch ihn selbst zum Ausdruck kommen wird. Alle diejenigen, die rechte menschliche Beziehungen erstreben, werden sich ganz von selbst um ihn scharen, ganz gleich, ob sie einer der grossen Weltreligionen angehören oder nicht. Alle, die zwischen den einzelnen Religionen oder Menschen oder Nationen keine grundsätzlichen Unterschiede sehen, werden sich bei ihm einfinden. Gleicherweise werden sich alle diejenigen, die sich von anderen abschliessen und dem Geist der Absonderung huldigen, ganz von selbst blossstellen, und ein jeder wird wissen, wes' Geistes Kinder sie sind. Das spaltende Schwert des Geistes wird - ohne zu verletzen - alles aufdecken und auf die ersten notwendigen Schritte zur menschlichen Erneuerung hinweisen.

Christus steht im Brennpunkt des von Buddha, vom Geist des Friedens und vom Avatar der Synthese gebildeten Dreiecks; die Wirkung der von ihm ausströmenden Energie wird daher so stark sein, dass der Unterschied zwischen Liebe und Hass, Aggression und Freiheit, selbstsüchtiger Gier und Teilen mit anderen vor aller Augen klar zutage treten wird; kurz, der Unterschied zwischen Gut und Böse wird in gleicher Weise sichtbar werden. Der bittende Anruf: «Aus dem Quell der Liebe im Herzen Gottes ströme Liebe aus in alle Menschenherzen» wird erhört sein. Christus wird in die Welt der Menschen die Machtfülle und besonders Energie der intuitiven Liebe einströmen lassen. Die Folgen dieser Austeilung werden zweifach sein:

1. Ungezählte Menschen in jedem Land werden sich in Gruppen zusammenschliessen, um die Gesinnung guten Willens zu fördern und rechte menschliche Beziehungen anzubahnen. Ihre Zahl wird so gross sein, dass sie von einer kleinen und verhältnismässig unbedeutenden Minderheit zum grössten und einflussreichsten Machtfaktor in der Welt anwachsen werden. Dieser Einfluss wird es der Neuen Gruppe der Weltdiener ermöglichen, erfolgreich zu arbeiten.

2. Diese aktive Energie liebenden Verstehens wird eine gewaltige Gegenwirkung gegen die Allgewalt des Hasses auslösen. Man wird Hass, Selbstsucht und Absonderung als die einzige Sünde ansehen; man wird erkennen, dass alle Sünden, wie sie heute als falsche Handlungen aufgezählt und gewertet werden, ihre Wurzel im Hass oder dessen Ausfluss haben, nämlich im antisozialen Bewusstsein. Hass und alles, was sich davon ableitet, ist die wahre Sünde gegen den Heiligen Geist, worüber die Bibelerklärer so lange debattiert haben; in ihrer Beschränktheit haben sie die Einfachheit und Angemessenheit der wahren Definition ganz übersehen.

Die Allgewalt des hierarchischen, geistigen Impulses, der in Christus und seinen tätigen Jüngern seinen Brennpunkt hat, wird überwältigend sein; der Nutzen, die Brauchbarkeit und die natürliche Gegebenheit rechter menschlicher Beziehungen werden so augenfällig sein, dass strittige Fragen in der Welt sehr rasch bereinigt werden und die neue Ära des guten Willens und Friedens auf Erden ihren Einzug halten wird. Dann wird die neue Kultur und die neue Zivilisation möglich sein.

Das ist nicht das Bild eines optimistischen, mystischen und unmöglichen Geschehens. Es gründet sich nicht auf Wunschgedanken oder blinder Hoffnung. Schon heute predigen die Jünger Christi die Lehre von den rechten menschlichen Beziehungen; Menschen guten Willens bemühen sich aufzuzeigen, dass wahrer Friede nur durch guten Willen in die Arena des internationalen Lebens hineingetragen werden kann. «Das erwachte Leben der Seele», das Christus den denkenden Menschen der Welt dartun wird, lässt keinen Raum für Exklusivität oder separatistische Tendenzen; das «Leben in grösserer Fülle» (das er uns zuleiten möchte) ist nämlich ein ungehemmter Strom, der alle Hindernisse und Schranken hinwegfegt und den Weg bahnt für Wahrheit und Leben; die wesentliche Qualität dieser beiden Energien aber ist Liebe.

Alle Weltreligionen setzen als Tatsache voraus, dass Gott im innersten Wesen Liebe ist, und dass er auch Leben und Intelligenz ist. Dieses Leben trägt in sich die wesentliche Eigenschaft des göttlichen Willens und der göttlichen Liebe. Beide sind von gleicher Bedeutung, da dieser Wille von Liebe durchdrungen ist. Bis heute hat der Mensch vom tatsächlichen Wesen des lebendigen Seins (oder seelendurchdrungenen Lebens), das von den Energien Liebe und Willen genährt wird, noch nichts gewusst, - abgesehen von einigen unklaren theoretischen Vorstellungen. Das Wiedererscheinen Christi wird die Tatsache dieses Lebens im göttlichen Sein erbringen. Das Werk, das Christus mit Hilfe seiner Jünger vollbringen will, wird die Liebe und den göttlichen Zweck, die aller Erfahrung in der Erscheinungswelt zugrundeliegen, augenfällig dartun.

Die Schaffung rechter menschlicher Beziehungen ist ein Aspekt des göttlichen Willens für die Menschheit; sie sind die nächste Phase göttlicher Wesensäusserung, die sich in den vielen menschlichen Angelegenheiten, - im individuellen, kommunalen, nationalen und internationalen Leben - manifestieren wird. Niemals hat bisher etwas diese göttliche Wesensäusserung verhindern können, höchstens der Zeitfaktor; und dieser zeitliche Faktor wird von der Menschheit selbst bestimmt, denn er ist ein Ausfluss des gottgegebenen freien Willens. Die beabsichtigte göttliche Wesensäusserung kann schnell oder langsam in Erscheinung treten, je nachdem, wie sich der Mensch entscheidet. Bisher hat sich der Mensch für ein langsames, ein sehr langsames Manifestations-Tempo entschieden; eben darin zeigt sich die Freiheit des menschlichen Willens. Da Göttlichkeit in allen Formen, also auch in den Menschen lebt, muss sich dieser Wille einmal erfüllen. Esoterisch gesprochen: Die derzeit so starke materielle Tendenz aller Erscheinungsformen ist schuld daran, dass sich die Wesensäusserung dieses Willens bisher verzögert hat; die Menschen waren bisher noch nicht gewillt, rechte menschliche Beziehungen herzustellen. Daher die Zuchtrute des Krieges, die Qualen, denen alle Erscheinungsformen ausgesetzt waren, und daher unser heutiges klägliches Leben!

Alle diese Faktoren verursachen eine grosse und allgemeine Umwandlung; geistig eingestellte Menschen können die Anzeichen hierfür leicht feststellen. Solche Leute wiederholen ständig die Worte, die Christus im Garten von Gethsemane sprach: «Möge Gottes Wille geschehen» (Matth. 26, 39). Sie sagen es, ohne sich dabei etwas zu denken, und oft ohne jede Hoffnung. Nichtstdestoweniger zeigt dies, dass sich eine allgemeine Neu-Orientierung, ein Sich-fügen und Dreinfinden anbahnt. Christus zeigte diese Ergebung mit den Worten: «Ich bin nicht gekommen, um meinen Willen auszuführen, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat» (Joh. 6, 38). Er bewies sein Sich-fügen mit dem Ausruf: «Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe.» Demütige Ergebung trägt das wesentliche Merkmal einer durch Umstände herbeigeführten Unterwerfung in sich, einer Einwilligung in das auferlegte Ungemach, auch wenn es nicht völlig verstanden wird. «Sich-dreinfügen» indes weist auf ein intelligentes Verstehen hin, und das ist ein Zeichen grossen Fortschrittes. Beide Eigenschaften sind Zeugen für die Tatsache, dass der göttliche Wille das Leben der heutigen Menschheit überschattet; beide bahnen das notwendige Verständnis für Christi Werk an, das die Herstellung rechter menschlicher Beziehungen zum Ziel hat. In der heutigen Zeit fügt sich die Menschheit in Gottes Willen nur in einer negativen Weise. Wahre Ergebung ist eine positive Haltung geistiger Erwartung, die schliesslich zur Aufgabe des Widerstandes, zur positiven Einwilligung führt.

Es ist auch überall ein Zustand geistiger Erwartung festzustellen; diese zu steigern und zu verstärken ist ein Teil der Aufgabe der Neuen Gruppe der Weltdiener. Sie sollen ferner bei den Massen die beiden Eigenschaften fördern, sich geistig zu ergeben und sich intelligent dreinzufügen. Normalerweise sind die Massen in zwei Kategorien geteilt, die diese beiden Einstellungen zum Ausdruck bringen. Ergebung, Fügung und Erwartung ruhen verborgen in allen Menschen. Diese drei göttlichen, latenten Eigenschaften werden die Menschheit für die Botschaft Christi empfänglich machen. Selbstlose Opfer, Kompromissbereitschaft und Verständnis für die vielen und verschiedenartigen Gesichtspunkte (die zur Schaffung rechter menschlicher Beziehungen notwendig sind), werden dann bei weitem nicht mehr so schwerfallen.

Es dürfte für uns alle nützlich sein, über die Faktoren nachzudenken, die in «Ergebung» und «Fügung» zum Ausdruck kommen. In der Herstellung rechter menschlicher Beziehungen sind alle die Eigenschaften mit inbegriffen: Verzicht, Entsagung, Unterwerfung unter bestehende Tatsachen und gehorsame Fügung in das göttliche Gesetz. Das sind die Eigenschaften, die Christus bei seinem früheren Hiersein dargetan hat; und er wird der Menschheit helfen. dass sie sich diese Charakterzüge mit Verständnis und Begeisterung zu eigen macht. Die Folge davon wird ein körperliches Glücksgefühl sein. Glücklich sein ist eine schwierige Lektion; die man erst lernen muss; es ist für die Menschheit ein völlig neues Erlebnis. Christus wird erst die Menschen lehren müssen, wie man richtig glücklich ist, die alten, jämmerlichen Lebensgewohnheiten aufgibt, wie man also den Sinn wahrer Freude kennen lernt. Christus kommt indes nicht bloss deshalb, um den Menschen einfach die Notwendigkeit für rechte menschliche Beziehungen aufzuzeigen; er will sie vielmehr lehren, wie sie selbst diese Beziehungen erfolgreich herstellen können.

II. Christus wird das Gesetz der Wiedergeburt lehren

Dieses Gesetz ergibt sich als natürliche und hauptsächliche Folge aus dem Evolutions-Gesetz. Es ist im Westen niemals begriffen oder richtig verstanden worden; und im Osten, wo es als ein bestimmendes Lebens-Prinzip anerkannt ist, hat es sich nicht als zweckmässig erwiesen, weil es in seinen Auswirkungen einschläfernd und dem Fortschritt nachteilig war. Der Studierende des Ostens sieht in dem Gesetz einen kosmischen Ablauf, demzufolge er noch sehr viel Zeit hat; diese Einstellung hat den drängenden Impuls, ein Ziel zu erreichen, unwirksam gemacht. Der durchschnittliche Christ verwechselt das Gesetz der Wiedergeburt mit der «Seelenwanderung» (wie er es nennt) und nimmt häufig an, dass dieses Gesetz der Wiedergeburt das Verpflanztwerden eines menschlichen Wesens in den Körper eines Tieres oder sogar in noch niedrigere Lebensformen bedeute. Das ist nie und nimmer der Fall. Gottes Leben entfaltet sich Stufe um Stufe, von niederen zu immer höheren Erscheinungsformen. In den niederen Lebensbereichen (unterhalb des Menschengeschlechtes) geht das Leben aufsteigend von mineralischen in pflanzliche Erscheinungsformen über, und von pflanzlichen in tierische; von der Stufe tierischer Formen geht sodann das Leben ins Reich der Menschen über, und von hier an unterliegt es dem Gesetz der Wiedergeburt, aber nicht dem Gesetz der Seelenwanderung. Diejenigen, die über das Gesetz der Wiedergeburt (oder Re-inkarnation) wirklich etwas wissen, müssen über ein solches Missverständnis lächeln.

Die Lehre oder Theorie der Wiederverkörperung erfüllt den orthodoxen Christen mit einem Schauder. Aber wenn man ihm (wie die Jünger dem Christus) die Frage wegen des blinden Mannes vorlegt: «Meister, wer hat gesündigt, dieser Mann oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?» (Joh. 9, 2), dann lehnt er es ab, daraus die Folgerung zu ziehen; er zeigt sich darüber belustigt oder bestürzt, wie es eben der Fall sein mag. Die Art und Weise, wie der Durchschnitts-Okkultist oder theosophische Erklärer diesen Gedanken der Welt aufgetischt hat, ist im ganzen beklagenswert; die Sache wurde auf höchst

Netnews Homepage     Zurück     Vorwärts      Index      Inhaltsverzeichnis
Last updated Saturday, February 14, 1998           © 1998 Netnews Association. All rights reserved.