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Vom Intellekt zur Intuition, Seite 187 ff. (engl.) |
im Wesentlichen die Bestätigung und Verwirklichung der Vereinigung ist. Im
selben Essay finden wir die Worte:
«Sie (die Buddhisten) kamen schliesslich darauf, dass Erleuchtung nicht etwas sei, das ausschliesslich dem Buddha zugehörte, sondern dass jeder sie erreichen könnte, wenn er die Unwissenheit durch Aufgabe der dualistischen Vorstellung über Leben und Welt los würde; sie schlossen weiter, dass Nirvana nicht das Entschwinden in einen Zustand absoluter Nicht-Existenz sei - eine Unmöglichkeit, solange wir mit den wirklichen Tatsachen des Lebens zu rechnen haben - sondern, dass Nirvana in seiner endgültigen Bedeutung eine positive Bestätigung, eine über alle Gegensätze hinausgehende Bestätigung sei». [*U52] Der oben gebrauchte Ausdruck Praina ist sehr interessant. Er bedeutet «das Vorhandensein einer Fähigkeit in jedem Individuum. ... Er ist das Prinzip, das uns genau so wie dem Buddha Erleuchtung ermöglicht. Ohne Prajna könnte es keine Erleuchtung geben, welche die höchste spirituelle Macht ist, die uns gehört. Der Intellekt ... ist in seiner Aktivität relativ. ... Buddha war vor seiner Erleuchtung ein gewöhnlicher Sterblicher, und wir gewöhnliche Sterbliche werden in dem Augenblick Buddhas werden, da sich unsere mentalen Augen in Erleuchtung öffnen». [*U52] So haben wir also die Konzentration des Denkvermögens, das bis zu seiner äussersten Leistungsfähigkeit benutzt wird, und sodann das Aufhören seiner Funktion. Als nächstes folgt der Einsatz des Willens, um das Denkvermögen stetig im Licht zu halten, und dann die Vision, die Aufhellung, die Erleuchtung! Die Methode im Hindu-Yoga. Die Hindus haben den Vorgang mentaler Annäherung an die Wirklichkeit und die Rolle, die das Denkvermögen dabei spielen sollte, vielleicht klarer analysiert als irgendeine andere Denkergruppe. Shankaracharya sagt: «Der Yogi, dessen Intellekt vollkommen ist, betrachtet alle Dinge, als ob sie in ihm, in seinem eigenen "Selbst" wären, ohne einen Unterschied zwischen äusseren und inneren zu machen; durch das Auge der Erkenntnis (Inana-chaksus, ein Ausdruck der ziemlich genau mit "intellektueller Intuition" wiedergegeben werden kann) nimmt er also wahr (oder eigentlich erfasst er, nicht vernunftmässig oder logisch, sondern durch direktes Bewusstwerden und augenblickliche Zustimmung), dass alles Atma ist». [*U33] Der Yogi, oder derjenige der Vereinigung erreicht hat (denn Yoga ist die Wissenschaft der Vereinigung), erkennt sich, wie er in Wirklichkeit ist. Wenn Unwissenheit transzendentaler Bewusstheit Platz macht, begreift er, dass er mit Brahma, der Ewigen Ursache, dem Einen und Einzigen identisch ist. Über jeden Zweifel erhaben erkennt er sich als Gott; Gott immanent und Gott transzendent. Der Seher fährt fort: «Er ist "das höchste Brahma, ewig, rein, frei, allein (in Seiner absoluten Vollkommenheit), unaufhörlich erfüllt von Seligkeit, ohne Dualität, (absolutes) Prinzip aller Existenz, wissend (ohne dass dieses Wissen eine Unterscheidung zwischen Subjekt und Objekt in sich schliesst, was das Gegenteil von Nicht-Dualität wäre), und ohne Ende". «Er ist BRAHMA, durch das alle Dinge erleuchtet werden, indem sie entsprechend ihren Wirklichkeitsgraden an Seinem Wesen teilhaben, dessen Licht die Sonne und alle leuchtenden Körper scheinen lässt, das aber nicht durch deren Licht offenbar wird. «Das durch Meditation erleuchtete "Selbst" ... glühend, leuchtend vom Feuer der Erkenntnis, seine wesenhafte Identität mit dem Höchsten Licht erkennend, ist von allen Zufälligkeiten befreit ... und erstrahlt im eigenen Glanze wie im Feuer gereinigtes Gold. «Wenn die Sonne geistiger Erkenntnis am Himmel des Herzens aufsteigt (das heisst im Zentrum des Seins ... ), zerstreut es die Dunkelheit (der Unwissenheit, welche die einzige absolute Realität verschleiert), durchdringt alles, hüllt alles ein und erleuchtet alles». [*U33] Pater Maréchal führt aus, dass die « ... psychologische, vom Kontemplierenden erlebte Erfahrung durch die beiden, von M. Oltramara beschriebenen und dem Sarvadarsanasangraha entsprechenden Phasen mentaler Konzentration und Unbewusstheit geht: in den zwei aufeinanderfolgenden Phasen untergräbt der Yogi im voraus die Grundlage für weitere Existenzen und löscht alle die Eindrücke aus, von denen die gegenwärtige Existenz bestimmt wird. Dies geht zuerst bewusst vor sich ... ; das Denken richtet seine Aufmerksamkeit ausschliesslich auf den geeigneten Gegenstand, und alle Veränderungen des Denkprinzips werden zeitweilig in dem Masse aufgehoben, als sie von äusseren Dingen abhängen; die dadurch erzielten Erfolge sind entweder sichtbar - Aufhören von Leiden - oder unsichtbar, unmittelbare Seinswahrnehmung, die das erstrebte Ziel der Meditation ist. ... Die zweite Yoga-Phase ist die unbewusste ... das Denken hat sich in seine Ursache aufgelöst ... das Persönlichkeitsgefühl ist verlorengegangen; der Meditierende, der Gegenstand, bei dem seine Gedanken verweilen, und der Akt der Meditation selbst, - sind eins ... ». [*U27] Patanjali, der grösste Lehrer der Yoga-Wissenschaft der Welt hat die Endstadien in seinem vierten Buch wie folgt zusammengefasst: «Der Zustand losgelösten Einsseins (in das wahre Wesen des Selbst zurückgezogen) ist die Belohnung für den Menschen, der zwischen dem Denk-Stoff und dem Selbst oder geistigen Menschen unterscheiden kann. «Der Zustand losgelöster Einheit wird möglich, wenn die drei Eigenschaften der Materie (die drei Gunas oder Wirkkräfte der Natur) über das Selbst keinen Einfluss mehr ausüben. Das reine, spirituelle Bewusstsein zieht sich in den EINEN zurück. «Wenn die alleinstehende, vom Objektiven befreite geistige Intelligenz sich im Denkstoff widerspiegelt, erfolgt Gewahrwerden des Selbstes ... das Denken strebt dann ... nach zunehmender Erleuchtung .. ». [*U32] Auch hier die gleiche Idee. Der Gebrauch des Denkvermögens, die schliessliche Zurückziehung aus dem Denkbewusstsein und die Verwirklichung der Einheit. Dies führt zu ständiger Erleuchtung. Die Methode des Sufismus. Die Schrifttexte der Sufis sind durch gedankliche Bilder und Symbole sehr verschleiert und weisen einen vielleicht stärkeren Sinn für Dualität auf als irgendwelche andere religiöse, esoterische Systeme, mit Ausnahme der christlichen mystischen Schriften. Dass aber sogar aus ihnen die gleiche Formulierung der Wahrheit und dieselbe grundlegende Methode zutagetritt, zeigen die folgenden Auszüge aus der ältesten persischen Abhandlung über Sufismus! Es ist interessant festzustellen, dass jene Schriften, die am längsten fortbestehen und den grössten Nutzen bringen, von Wissenden stammen, weil diese Wissenden über ihre Gotteserfahrung in einer solchen Weise berichten können, dass sie sowohl lehren und beschreiben als auch behaupten und bestätigen können. «Der erste Schritt zur Einswerdung ist das Auslöschen des Trennungsbewusstseins, denn durch dieses wird die Absonderung vom Unvollkommenen ausgedrückt, wogegen Einswerdung die Bekundung der Einheitlichkeit einer Sache ist. ... Dementsprechend besteht der erste Schritt zur Einswerdung in der Weigerung anzuerkennen, dass Gott einen Partner habe, sowie in der Beseitigung aller Beimischungen. ... «Wir haben fünf Prinzipien der Einswerdung; die Beseitigung dessen, was zur Welt der Erscheinungen gehört, die Bestätigung der Ewigkeit, das Abwenden von alten Gedanken und Gewohnheiten, die Absonderung von Glaubens-Brüdern sowie das Vergessen dessen, was bekannt und was unbekannt ist. «Die Beseitigung dessen, was zur Erscheinungswelt gehört besteht darin, dass man den Phänomenen keinen wie immer gearteten Zusammenhang mit der Einswerdung zugesteht und dass man die Möglichkeit verneint, sie könnten bis zur heiligen Essenz Gottes gelangen; die Bestätigung der Ewigkeit liegt in der Überzeugung, dass Gott schon immer existiert hat ... ; das Abwenden von alten Gewohnheiten wiederum bedeutet für den Novizen: das Aufgeben gewohnter Freuden der niederen Seele und der Formen dieser Welt, für den Adepten: das Aufgeben hoher Aufenthaltsorte, herrlicher Zustände und erhabener Wunder; die Absonderung von Brüdern bedeutet das Abwenden von der menschlichen Gesellschaft und das Hinwenden zur Gesellschaft Gottes, denn jeder andere Gedanke als der an Gott ist Verhüllung und Unvollkommenheit; und je mehr sich ein Mensch in Gedanken mit anderem als mit Gott befasst, um so mehr verhüllt er sich vor Gott. Überall stimmt man darin überein, dass die Vereinigung in der Gedankenkonzentration besteht während die Befriedigung an anderem als an Gott ein Zeichen für Gedankenzerstreuung ist ...». [*U17] Wiederum finden wir folgende Worte: «Einer der Scheichs sagt: "Vier Dinge sind dem Betenden nötig: Vernichtung der niederen Seele, Verlust der natürlichen Kräfte, Reinheit des innersten Herzens und vollkommene Kontemplation". Zerstörung der niederen Seele kann nur durch Gedankenkonzentration erreicht werden. Verlust der natürlichen Kräfte nur durch Bezeugung der Göttlichen Majestät, was die Vernichtung alles dessen bedingt, was nicht Gott ist; Reinheit des innersten Herzens nur durch Liebe; und vollkommene Kontemplation nur durch die Reinheit des innersten Herzens». [*U53] Also auch hier finden wir die gleiche Wahrheit. Die Methode im Christentum. Es ist natürlich leicht, viele Textstellen zu finden, die den Weg des christlichen Wissenden mit dem seines Bruders im Osten verbinden. Sie geben von der gleichen Wirksamkeit der Methode Zeugnis, gebrauchen ebenfalls den Intellekt bis zu einem. gewissen Grade, stellen aber dann auch wenn sich ein neuer Seinszustand bildet und ein neuer Wahrnehmungszustand hinzukommt jede Anstrengung ein. Der Hl. Augustin sagt: «So wie das unaussprechlich ist, woraus der Sohn im ersten Prozess dem Vater entspringt, genauso besteht etwas Okkultes hinter dem ersten Prozess, Intellekt und Willen». Meister Eckehart vereinigt sich mit den orientalischen Wissenden durch folgende Worte: «Intellekt ist die höchste Macht der Seele und durch ihn erfasst die Seele das Göttlich Gute. Freier Wille ist die Macht, das Göttlich Gute, das der Intellekt ihm kundmacht, zu geniessen. Der Funke der Seele ist das Licht des göttlichen Spiegelbildes, das sich allezeit Gott zukehrt. Das Geheimnis des Denkvermögens ist gleichsam die Gesamtheit alles Göttlich-Guten und aller göttlichen Gaben im innersten Wesen der Seele, die einem unerschöpflichen Brunnen göttlicher Güte gleicht. «Die niederen Kräfte der Seele sollten ihren höheren, und diese Gott untergeordnet werden; ihre äusseren Sinne den inneren, und diese der Vernunft; die Gedanken der Intuition, und die Intuition und alles andere der Einheit, so dass die Seele allein sein kann, von nichts anderem durchflutet als von reiner, hier in sich selbst fliessender Göttlichkeit. «Wenn das Denken eines Menschen die Berührung mit allem verloren hat, dann, und nur dann tritt es in Berührung mit Gott. «Aus dieser einfliessenden Gnade ersteht sogleich jenes Licht des Denkens, in das Gott einen Strahl Seiner unverhüllten Herrlichkeit sendet. In diesem machtvollen Licht steht ein Sterblicher so hoch über seinen Mitmenschen, wie ein Lebender über seinem Schatten an der Mauer. «Wenn der Seelen-Mensch über die Art und Weise der Engel hinausgelangt und vom Intellekt geleitet wird, dringt er bis zur Quelle vor, aus der die Seele entsprang. Der Intellekt selbst aber wird mit allen benannten Dingen draussen gelassen. So verschmilzt die Seele mit der reinen Einheit». [*U31] So führen alle grossen Schulen intellektueller Meditation (in den Endstadien aller Empfindung und Emotion ledig) zum gleichen Ziel. Vom Standpunkt sowohl des Buddhismus als auch des Hinduismus, des Sufismus und des Christentums besteht überall das gleiche grundlegende Ziel: Einswerdung mit der Gottheit; die gleiche Transzendenz der Sinne, dasselbe Konzentrieren des Denkvermögens an seinem höchsten Punkt, dasselbe scheinbare Unvermögen dieses Denkvermögens, den Aspiranten über diesen Punkt hinaus zum angestrebten Ziel zu bringen; das gleiche Eingehen in den Zustand der Kontemplation über die Wirklichkeit, das gleiche Aufgehen in Gott und Gewahrwerden der Identität mit Gott, und die gleiche nachfolgende Erleuchtung. Jedes Trennungsgefühl ist verschwunden. Einheit mit dem Universum, erkannte |
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