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Verblendung - ein Weltproblem, Seite 93 ff. (engl.)
Zerstreuung?

Ich habe diese Technik absichtlich nicht weiter erläutert, um jedem Einzelnen Gelegenheit zu geben, seine eigenen Ideen darüber zu entwickeln. Ich möchte dringend ersuchen, die Gruppenmeditation sorgfältig zu befolgen. Sie ist von tiefer Bedeutung für die Gruppe im Interesse ihrer Integration und einer wirklich geistigen Zusammenarbeit. Die zurzeit des Vollmondes zu leistende Arbeit wird ebenfalls an Bedeutung zunehmen. Später wird es dann leichter werden, das Wesen der zu zerstreuenden Verblendung zu erkennen und wahrzunehmen und sich den Vorgang der Lichtverbreitung bildlich vorzustellen.

ZWEITER TEIL

DIE URSACHEN DER VERBLENDUNG

1. Rassische und individuelle Entwicklung der Verblendung.

In diesem Zusammenhang gebrauchen wir das Wort «Verblendung» zur Bezeichnung für alle Phasen [94] jener Täuschungen, Illusionen, Missverständnisse und Missdeutungen, denen der Aspirant auf jedem Schritte seines Weges ausgesetzt ist, bis er die Einheit erlangt. Dieses Wort «Einheit» ist bemerkenswert, denn es birgt das Geheimnis des Freiwerdens von Illusion, wie die Loslösung von der Verblendung okkult genannt worden ist. Wer diese Anweisungen sorgfältig studiert hat, wird sich darüber klar sein, dass die grundlegende Ursache der Verblendung hauptsächlich das Gefühl der Dualität ist. Wenn solch eine Dualität oder Zweiheit nicht vorhanden wäre, gäbe es keine Verblendung, und die Wahrnehmung der Doppelnatur aller Manifestation ist die eigentliche Wurzel aller Schwierigkeiten, denen die Menschheit - in Zeit und Raum - gegenübertritt. Diese Wahrnehmung macht verschiedene Stadien durch und bildet das grosse Problem der bewussten Einheit. Es handelt sich dabei um eine Schwierigkeit, die im Bereich des Bewusstseins liegt, also in keiner Weise der Substanz oder Materie innewohnt. Der Bewohner des Körpers nimmt nicht richtig wahr: er legt das Wahrgenommene falsch aus; daraufhin identifiziert er sich mit etwas, das nicht er selbst ist; er verlegt sein Bewusstsein in den Bereich der Erscheinungen, der ihn so lange umwogt, täuscht und gefangen hält, bis er rastlos und unzufrieden wird in dem Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Dann kommt er schliesslich zur Erkenntnis, dass er nicht das ist, was er zu sein scheint und dass die phänomenale Welt der Erscheinungen nicht mit der Wirklichkeit identisch ist, wie er das bislang geglaubt hatte. Von [95] da an hat er das Gefühl einer Dualität; er kommt zur Erkenntnis von «Etwas Anderem» und zur Wahrnehmung, dass dieses Gefühl überwunden werden muss und dass Schritte zur Vereinheitlichung und der Versuch der Einswerdung unternommen werden sollten. Fortab beobachtet er die Schwierigkeiten des sich entwickelnden Menschen, gegen die er bewusst ankämpft; er steht vor einer langen Periode der «Freimachung von der Verblendung und des Eintretens in jene Welt, in der nichts als Einheit bekannt ist.» Von da an ergeben sich folgende Stadien:

Erstens: Das Stadium, in welchem die materielle Welt anerkannt und geschätzt wird. Vorübergehend wird sie zum Ziel aller Betätigung; der Mensch weigert sich, den Unterschied zwischen sich und der materiellen Naturwelt anzuerkennen; er identifiziert sich mit ihr und findet seine Befriedigung in rein physischen Vergnügungen und Betätigungen. Dieses Stadium zerfällt in zwei Teile:

a. In der ersten Hälfte sucht der Mensch Befriedigung darin, dass er fast automatisch auf die physischen Instinkte reagiert, wie Fortpflanzung, Ernährung und Wärme. Diese sind für sein Bewusstsein von grosser Bedeutung. Die Tiernatur wird zum Mittelpunkt des Versuches, ein Gefühl der Einheit hervorzurufen. Weil der innere und subtile Mensch vorerst nur «einen schwachen Eindruck» macht (wie man das esoterisch ausdrückt), findet eine vorübergehende, physische Einswerdung statt, die dazu dient, die Verblendung zu vertiefen und den Fortschritt zur Freiheit zu verzögern.

b. In der zweiten Hälfte wird Befriedigung und das Gefühl des Einsseins im Bereich materiellen Besitzes und in dem Bestreben gesucht, das Leben auf der physischen Ebene zum Mittelpunkt der Schönheit und persönlichen Behaglichkeit zu machen. Dort kann der Mensch sich zu Hause fühlen und das Gefühl des Dualismus vergessen, das sich von Tag zu Tag immer stärker bemerkbar macht. Aber dazu kommt es erst Jahrtausende später, wenn [96] der Aspirant danach strebt, eine neue geistige Einstellung zur Wahrheit zu gewinnen und die ersten Schritte zum Probepfad hin zu unternehmen. Dieses Stadium entspricht gegen Ende des Evolutionspfades der vorhergenannten Periode, nur dass der Mensch, der die damalige Erfahrung durchgemacht hat, sich erheblich unterscheidet von dem, der jetzt in der Materialisierung von Schönheit auf der physischen Ebene nach Synthese strebt. Der subtile, innere Mensch macht sich jetzt allmählich geltend.

Zweitens: Das Stadium, in dem der Mensch vor allem der Dualität gewahr wird, die sich mit den Worten «der Mensch und die Kräfte» ausdrücken lässt. Er empfindet lebhaft die Tatsache, dass er selbst und alle anderen Menschen Opfer von Kräften und Energien sind, über die sie keine Macht haben und von denen sie hin und her getrieben werden. Er verspürt auch Kräfte und Energien in seinem eigenen Innern, die er auch nicht beherrscht und die ihn in verschiedener Weise zum Handeln zwingen; sie machen ihn häufig zum Opfer seines Aufruhrs, seines Tuns und von Energien, die er auf selbstsüchtige Ziele lenkt. Hier entdeckt der Mensch (zuerst unbewusst und später bewusst) die erste Dualität - den physischen und den vitalen (oder ätherischen) Körper. Der eine ist das Kontakt-Instrument auf der physischen Ebene, der andere das Instrument, um mit den inneren Kräften, Energien und Welten in Verbindung zu kommen. Der Vitalkörper beherrscht und belebt den physischen Körper und treibt ihn zu fast automatischer Aktivität. Auf diese Dualität nahm ich an früherer Stelle Bezug. Dieses Stadium bereitet sowohl dem Einzelmenschen als auch der gesamten Menschheit erhebliche Schwierigkeiten. Die Menschen wissen immer noch wenig von der «Wirklichkeit, die unter der sie umgebenden Hülle leuchtet» (wie der Alte Kommentar es nennt), dass wahre Erkenntnis schwierig und im Anfang nahezu unmöglich ist. Blind und unwissend müssen sich die Menschen mit dem ersten Gegensatzpaare abmühen. Gerade diesen Vorgang können wir jetzt in der Welt beobachten. Die Massen erwachen zu der Erkenntnis, dass sie die Opfer von Kräften sind, über die sie keine Macht haben [97] und von denen sie nichts verstehen. Sie möchten darüber Macht gewinnen und sind auch dazu entschlossen, wann immer es möglich ist. Dies ist heute das Hauptproblem im täglichen Leben, in der Volkswirtschaft und in der Regierungspolitik.

Die Spannung in der heutigen Welt beruht auf der Tatsache, dass physische Kraft und ätherische Energie aneinandergeraten sind. Dabei darf man nicht vergessen, dass, wie bereits erwähnt, die ätherische Kraft in enger Beziehung zur Monade, dem höchsten geistigen Aspekt steht. Es ist das Leben selbst, das nahe daran ist, in der äusseren Welt in Erscheinung zu treten. Deshalb wird heute der Geist der Menschheit, der Geist einer Nation und der Geist einer Gruppe betont. All das resultiert aus dem Kampf, der von diesem Gegensatzpaar im Leben der Menschheit und im Leben des einzelnen Durchschnittsmenschen ausgefochten wird. Immerhin ist es dieser - bis zur Synthese und zur Einswerdung durchgefochtene - Konflikt, der die neue geistige Einstellung der Rasse und des Einzelnen auf wahrere Werte und auf die Welt der Wirklichkeit hervorbringt. Wenn dieser Konflikt erfolgreich ausgekämpft ist, bringt er den Menschen als Individuum und in der Masse auf den Pfad der Läuterung. Wenn es zur Vereinigung dieser Energien auf der physischen Ebene kommt, so führt das zu zielbewusster Aktivität und zum Entschluss, in einer bestimmten Richtung fortzuschreiten. Darauf folgt die «Lösung» (im Sinne von «Entschluss» sowohl als «Auflösung») der Dualität zu einer Einheit.

Diese Lösung führt (beim Durchschnittsaspiranten) zuerst zu einer vorübergehenden astralen Einheit, aus der dann der starrsinnige Meinungsfanatiker auftaucht. Er ist auf allen Gebieten anzutreffen - in der Religion, Wissenschaft, Politik - oder irgendeinem anderen Lebensbereich. Seine ätherische Einheit und folglich Neuorientierung mit ihren Folgeerscheinungen: klare Vision, Erfassen der Wahrheit und Erschauen des unmittelbar nächsten Zieles - trägt vorübergehend dazu bei, den Betreffenden mit einem Gefühl der Errungenschaft, der Gewissheit (seiner Überzeugung), der Macht und Schicksalsbestimmung zu verblenden. Blind, [98] ungestüm und rücksichtslos geht er seinen Weg, bis er sich plötzlich und unerwartet vor wechselnden Bedingungen gestellt sieht und einer anderen und weit schwierigeren Sachlage gewahr wird. Die Gegensatzpaare auf der Astralebene treten ihm entgegen und er wird zum Arjuna auf dem Schlachtfeld. All sein Gefühl des Eins-Seins, sein Zielbewusstsein und seine sichere und oft selbstgefällige Genugtuung verschwinden und er geht in den Nebeln und Verblendungen der Astralebene verloren. Das ist die missliche Lage, in der sich viele wohlmeinende Jünger zu dieser Zeit befinden und darauf muss ich etwas näher eingehen, weil meine Schülergruppe, sofern sie als Gruppe fungieren kann, sich die Auflösung eines Teiles der Weltverblendung zur Aufgabe gemacht hat. Diese und andere, ähnliche Gruppen sollten eines Tages (und wir wollen hoffen bald) geschlossen und unter Leitung ihres Meisters sich der Aufgabe widmen, die Weltverblendung zu durchdringen und mehr Licht und Erleuchtung herein zu lassen, damit die Menschen fortab mit mehr Klarheit und Sicherheit auf dem Weg weitergehen können.

Ich habe deshalb zur Teilnahme an diesem Werk verschiedene Aspiranten ausgesucht, die leicht der Verblendung unterliegen, obwohl zwei von ihnen weniger dazu neigen als die anderen. Diese beiden sind verhältnismässig frei von Verblendung und das war einer der Gründe, weshalb ich sie auswählte. Es sind D.L.R. und D.P.R. (vergleiche Jüngerschaft im Neuen Zeitalter, Seite 301 beziehungsweise 382). Sie sollten ihr Leben von jeder Verblendungstendenz freihalten, wenn sie ihren Brüdern in der rechten und von mir gewünschten Weise dienen wollen. In meinen persönlichen Unterweisungen werde ich auf ihre Tendenz in dieser Richtung hinweisen. Die anderen Gruppenmitglieder neigen schnell zu Verblendung, aber sie leiden auch darunter. Diese Neigung kann jedoch eben so schnell in einen Aktivposten umgewandelt werden. Wie kann denn Weltverblendung zerstreut werden, wenn nicht von denen, die sie als solche erkennen und die in ihrem täglichen Leben damit gerungen haben? Wie kann denn Weltverblendung mit Erfolg durch Erleuchtung beseitigt werden? Doch nur dadurch, dass diese Erleuchtung von denen hervorgerufen wird, die gelernt haben, den Scheinwerfer der Seele auf die dunklen Stätten und die sie umgebende [99] Verblendung zu richten, so dass diese deutlich erkennbar verschwindet. Die Gruppenmitglieder sollten sich durch diese «Verblendungsschwäche» nicht entmutigen lassen; sie sollten vielmehr ihr Bestreben, das Problem zu verstehen und es möglichst im eigenen Leben zu lösen, als einen Beitrag ansehen, den sie zu diesem schwersten aller Weltprobleme leisten können. Sie sollten ihre Verblendung dadurch lösen, dass sie im Licht verharren, ihr Denken stetig in diesem Licht festhalten und lernen, dieses Licht auf die Verblendungsnebel der Astralwelt zu richten. Sie sollten die Lösung nicht dadurch versuchen (wie gewisse Aspiranten es so oft tun), dass sie sagen: «jetzt verstehe ich», während sie (wie auch viele andere Schüler) in Wirklichkeit bloss auf eine selbstverständliche, okkulte Binsenwahrheit reagieren.

Drittens: Dieses Stadium der Verblendung wird oft die Arjuna-Erfahrung genannt. Heute steht der Welt-Arjuna den Gegensatzpaaren gegenüber, genauso wie der individuelle Jünger; und wenn diese Paare zu einer Einheit aufgelöst sind, sind beide bereit, den Pfad der Jüngerschaft zu betreten. Dazu liesse sich Folgendes bemerken:

1. Die grossen Massen in allen Ländern mühen sich mit dem ersten Gegensatzpaare ab, also mit den Gegensätzen auf der physischen Ebene. Wenn die «Lösung» erfolgt ist, werden diese Massen den Läuterungspfad betreten. Das geschieht heute in beschleunigtem Mass. Es ist dies ein langwieriger Vorgang, weil das Bewusstsein auf dieser Stufe noch nicht das intelligente Gewahrsein des denkenden Menschen erreicht hat; es ist das blinde Bewusstsein des physischen Menschen im Zusammenwirken mit den eigentlichen Naturkräften.

2. Der gebildete Durchschnittsmensch aller Länder steht heute vor der Arjuna-Erfahrung und vor den Gegensatzpaaren auf der Astralebene. So erklärt sich das intensive Gefühlsleben in der ganzen Welt und ebenso das Suchen nach Erleuchtung durch Erziehung, Religion und durch die vielen Methoden mentaler [100] Ausbildung, so dass Wissen, Weisheit und rechte Beziehungen ständig zunehmen. Diese Intellektuellen lassen sich normalerweise in zwei Klassen einteilen:

a. Diejenigen, die zwar überzeugt sind, dass im Denken und Auswählen Entschlossenheit und Urteilskraft notwendig sind, die sich aber über die möglichen Auswirkungen noch nicht völlig klar sind. Sie machen das sogenannte «Verwirrungsstadium der Arjuna-Erfahrung» durch und unterliegen ausser der rassischen, nationalen und persönlichen Verblendung noch obendrein einer geistigen Verblendung, die den Nebel verdichtet.

b. Diejenigen, die sich aus diesem Zustand herausgearbeitet haben und ihr Problem allmählich erkennen. Sie sehen die Gegensatzpaare und treten in das

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Last updated Saturday, February 14, 1998           © 1998 Netnews Association. All rights reserved.